KI-Kennzeichnung in der Werbung: Was seit 2. August 2026 gilt

Kurzfassung: Artikel 50 des EU AI Act gilt seit 2. August 2026. 82 Prozent der Verbraucher erwarten eine klare Kennzeichnung von KI-Inhalten (Deutsche Post DHL, 02.07.2026). Empfehlung: KI-Inhalte inventarisieren, Anzeigenkonten und Chatbots prüfen, Verantwortlichen benennen.

Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten nach Artikel 50 des EU AI Act. Unternehmen müssen realistische KI-Bilder und KI-Videos sichtbar kennzeichnen und bei Chatbots auf KI hinweisen. Werbetexte sind nach Einschätzung eines Fachautors meist ausgenommen, Bilder und Videos nicht.

Was regelt Artikel 50 des AI Act?

Artikel 50 ist die Transparenzvorschrift des EU AI Act. Sie verlangt, dass Menschen erkennen können, wann sie mit KI sprechen oder KI-erzeugte Inhalte sehen.

Die Pflichten verteilen sich auf zwei Rollen. Anbieter generativer KI müssen ihre Ausgaben maschinenlesbar markieren. Betreiber müssen Deepfakes und bestimmte KI-Texte sichtbar kennzeichnen. Die Kommission hat dazu am 10. Juni 2026 einen freiwilligen Verhaltenskodex veröffentlicht. (Jones Day, Juni 2026)

Die meisten Marketing-Teams sind Betreiber. Sie nutzen KI-Werkzeuge anderer Anbieter, etwa für Bilder, Videos oder Chatbots auf der eigenen Website. Wer ein eigenes Modell trainiert und vertreibt, ist Anbieter. Diese Einordnung stammt von einem Anbieter von Kennzeichnungssoftware und ist deshalb nicht neutral. (ki-kennzeichnen.de, 21.07.2026)

Was ist ein Deepfake im Marketing?

Ein Deepfake ist ein realistisch wirkendes Bild, Video oder Audio, das KI erzeugt oder verändert hat. Im Marketing zählen dazu KI-Testimonials und KI-Produktbilder realer Objekte. Je näher ein Bild an einer Tatsachenbehauptung liegt, desto eher ist ein Label nötig. (Markus Geretshauser & Partner, 08/2026)

Gilt die Pflicht für Werbetexte?

Laut Geretshauser unterliegen Werbetexte nicht der Kennzeichnungspflicht. Grammatik- und Stilkorrekturen ebenfalls nicht. (Geretshauser, 08/2026)

Die Textpflicht aus Artikel 50 betrifft Texte zu Themen von öffentlichem Interesse. Sie entfällt, wenn ein Mensch den Text prüft und die redaktionelle Verantwortung übernimmt. (Jones Day, Juni 2026)

Die Kommission will die Reichweite von Artikel 50 noch in Leitlinien präzisieren. Bis dahin bleibt die Abgrenzung bei Werbetexten eine Auslegung. Ich habe den Gesetzestext nicht selbst juristisch geprüft. Wer unsicher ist, klärt Einzelfälle mit einer Kanzlei, bevor eine Kampagne live geht. Der Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.

Wer muss was bis wann?

Die Tabelle fasst die Pflichten aus den genannten Quellen zusammen. Sie ist eine Übersicht, keine juristische Prüfung.

RollePflichtFrist
Anbieter generativer KIAusgaben maschinenlesbar markieren (Absatz 2)2. Dezember 2026 laut Digital Omnibus
Betreiber, z. B. Marketing-TeamDeepfakes sichtbar kennzeichnen (Absatz 4)2. August 2026
Betreiber von ChatbotsKI-Hinweis beim ersten Kontakt2. August 2026
Betreiber mit KI-Text zu öffentlichem InteresseKennzeichnen, außer ein Mensch übernimmt die redaktionelle Verantwortung2. August 2026

Quellen der Tabelle: Jones Day (Juni 2026), Taylor Wessing (Mai 2026), Geretshauser (08/2026).

Welche Fristen und Bußgelder gelten?

Verstöße gegen Artikel 50 können bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes kosten. Die oft genannten 35 Millionen Euro und 7 Prozent gelten für verbotene Praktiken. (ki-kennzeichnen.de, 21.07.2026)

Der Digital Omnibus verschiebt nur einen Teil. Die maschinenlesbare Markierung durch Anbieter, Artikel 50 Absatz 2, rückt vom 2. August auf den 2. Dezember 2026. Die politische Einigung fiel am 7. Mai 2026. (Taylor Wessing, Mai 2026)

Sichtbare Labels und der Chatbot-Hinweis bleiben bei 2. August 2026. (ki-kennzeichnen.de, 21.07.2026) Die Quellen beschreiben den Umfang der Verschiebung unterschiedlich genau. Vor einer Entscheidung lohnt der Blick in den Verordnungstext.

Als realistischeres Risiko sieht Geretshauser Abmahnungen durch Wettbewerber. Das ist seine Einschätzung, keine Behördenaussage.

Was erwarten Verbraucher?

Die Deutsche Post hat für den Dialogmarketing-Monitor 2026 je 1.500 Marketingentscheider und 1.500 Verbraucher befragt. 82 Prozent der Verbraucher erwarten eine klare Kennzeichnung von KI-Inhalten. 65 Prozent halten KI-generierte Inhalte für weniger vertrauenswürdig. (Deutsche Post DHL, 02.07.2026)

Auf Unternehmensseite nutzen 44 Prozent KI für postalische Werbesendungen, weitere 24 Prozent planen es. 81 Prozent dieser Gruppe setzen KI für Texte ein. (Deutsche Post DHL, 02.07.2026)

Wie verbreitet KI im Mittelstand insgesamt ist, zeigt die Analyse KI in Unternehmen 2026: 57 Prozent nutzen sie.

Verbraucher erwarten Kennzeichnung, Unternehmen setzen KI ein

Balkendiagramm: 82 Prozent der Verbraucher erwarten klare KI-Kennzeichnung, 65 Prozent halten KI-Inhalte für weniger vertrauenswürdig. 44 Prozent der Unternehmen nutzen KI in Werbesendungen, 24 Prozent planen es.

Quelle: Deutsche Post DHL, Dialogmarketing-Monitor 2026, 02.07.2026. Je 1.500 Verbraucher und Marketingentscheider (Statista+).

Schadet ein KI-Hinweis der Marke?

Eine Studie der polnischen Agentur Tears of Joy liefert Hinweise. 74 Prozent der Befragten sagen, sie erkennen KI in Werbung. 53 Prozent vertrauen einer Marke weniger, wenn die Anzeige KI offen nennt. 18 Prozent würden ein vollständig KI-gemachtes Produkt nicht kaufen. (Euronews, 22.10.2026)

Die Zahlen haben Grenzen. Die Studie stammt aus Polen. Euronews nennt weder Stichprobe noch Methode. Eine vergleichbare deutsche Erhebung habe ich nicht gefunden.

Beide Studien lassen sich nicht verrechnen. Verbraucher fordern Kennzeichnung und misstrauen zugleich gekennzeichneten Anzeigen. Das ist ein Zielkonflikt. Er spricht aus meiner Sicht für weniger KI-Anmutung im Bild, nicht für weniger Kennzeichnung.

Polen: Wirkung von KI-Hinweisen in Anzeigen

Balkendiagramm zu einer Studie aus Polen: 74 Prozent erkennen KI in Werbung, bei 53 Prozent sinkt das Vertrauen bei offenem KI-Hinweis, 25 Prozent überlegen länger vor dem Kauf, 18 Prozent kaufen das Produkt nicht.

Quelle: Tears of Joy via Euronews, 22.10.2026. Stichprobe und Methode nicht genannt.

Was sollte der Mittelstand jetzt prüfen?

Dies ist die Einschätzung von valuedialog, keine Studienaussage.

Erstens: ein Inventar. Welche Bilder, Videos und Audios entstehen mit KI? Welche zeigen reale Produkte oder Personen?

Zweitens: die Anzeigenkonten. Meta kennzeichnet Anzeigen seit dem 9. Juli automatisch. Bei externen Tools muss die Offenlegung im Konto manuell gesetzt werden. (Geretshauser, 08/2026)

Drittens: der Chatbot. Der erste Kontakt braucht einen sichtbaren KI-Hinweis.

Viertens: Regeln im Team. Zwei feste Labels, ein Eintrag im Briefing und ein benannter Verantwortlicher. Die Labels gehören ins Bild, nicht nur ins Impressum.

Wie Agenten Marketing-Abläufe verändern, beschreibt der Beitrag Agentic AI im Marketing 2026. Je mehr Abläufe automatisch laufen, desto wichtiger wird die Freigabe durch einen Menschen.

Häufige Fragen zur KI-Kennzeichnung

Seit wann gilt die KI-Kennzeichnungspflicht in der Werbung?

Die Transparenzpflichten nach Artikel 50 des EU AI Act gelten seit dem 2. August 2026 (Jones Day, Juni 2026). Die maschinenlesbare Markierung durch Anbieter wurde laut Digital Omnibus auf den 2. Dezember 2026 verschoben (Taylor Wessing, Mai 2026).

Müssen Werbetexte mit KI gekennzeichnet werden?

Nach Einschätzung der Kanzlei Geretshauser nicht (08/2026). Die Textpflicht gilt für Themen von öffentlichem Interesse und entfällt bei redaktioneller Verantwortung eines Menschen (Jones Day, Juni 2026). Das ist keine Rechtsberatung.

Wie hoch sind die Bußgelder bei Verstößen gegen Artikel 50?

Bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes (ki-kennzeichnen.de, 21.07.2026). Die Werte von 35 Millionen Euro und 7 Prozent betreffen verbotene Praktiken.

Was erwarten Verbraucher bei KI in der Werbung?

82 Prozent erwarten eine klare Kennzeichnung, 65 Prozent halten KI-Inhalte für weniger vertrauenswürdig (Deutsche Post DHL, Dialogmarketing-Monitor, 02.07.2026).

Was sollte der Mittelstand jetzt prüfen?

Erstens ein Inventar aller KI-Bilder, Videos und Chatbots. Zweitens die KI-Offenlegung in den Anzeigenkonten. Drittens zwei feste Labels und einen benannten Verantwortlichen. Das ist eine Einschätzung von valuedialog.

Next Step: Wir prüfen, welche Ihrer Inhalte, Chatbots und Anzeigenkonten unter Artikel 50 fallen. Kostenloses Erstgespräch anfragen.

Quellen

  1. Jones Day: European Commission publishes final Code of Practice on marking and labelling AI-generated content (Juni 2026, Veröffentlichung des Kodex am 10.06.2026)
  2. Taylor Wessing: The EU Digital Omnibus on AI (Mai 2026, politische Einigung 07.05.2026)
  3. ki-kennzeichnen.de: AI Act Fristen und Bußgelder (Stand 21.07.2026, Anbieter von Kennzeichnungssoftware)
  4. Markus Geretshauser & Partner: Ab heute Pflicht, Artikel 50 für deine Werbung (08/2026)
  5. Deutsche Post DHL: Dialogmarketing-Monitor 2026 (02.07.2026, je 1.500 Entscheider und Verbraucher, Statista+)
  6. Euronews: KI in der Werbung (22.10.2026, Studie von Tears of Joy, Polen)

Redaktionshinweis: Der Beitrag wurde KI-gestützt recherchiert, redaktionell überarbeitet und geprüft und verantwortet von Dirk Delbrouck, valuedialog.